
Entgegen der Annahme, dass nur große Erfolge befriedigen, liegt der Schlüssel zum guten Gefühl in Spielen in der meisterhaften Choreografie kleinster Rückmeldungen.
- Audiovisuelles Feedback spricht uralte kognitive Reflexe an und erzeugt ein Gefühl von Kontrolle und Wirkung.
- Die Trennung von positiven und negativen Aktionen durch Sounddesign ist nicht nur gutes UX, sondern in Deutschland teils gesetzlich verankert (BITV 2.0).
Empfehlung: Achten Sie bei Ihrem nächsten Spiel nicht auf die Mission, sondern auf den Klang eines Klicks oder die Reaktion eines Treffers – dort liegt die wahre Magie des Game-Feels.
Das Geräusch einer eingesammelten Münze, das befriedigende „Pling“ eines Kopfschusses, das sanfte Rumpeln beim Öffnen einer Schatzkiste. Diese winzigen Momente sind die unsichtbare Währung des Spielspaßes. Viele glauben, dass die Freude am Gaming allein aus dem Erreichen großer Ziele wie dem Besiegen eines Bosses oder dem Abschluss einer Quest resultiert. Man spricht oft pauschal von „Dopamin-Ausschüttungen“ und Belohnungssystemen. Doch diese Sichtweise greift zu kurz. Sie ignoriert das Fundament, auf dem jede große Belohnung aufgebaut ist: die Perfektion im Mikroskopischen.
Die wahre Kunst des „Juicy Design“, wie es in der Branche genannt wird, liegt nicht im Was, sondern im Wie. Es ist eine multisensorische Choreografie, bei der jede Aktion des Spielers eine sofortige, klare und befriedigende Reaktion der Spielwelt auslöst. Diese Rückmeldungen sind mehr als nur Dekoration; sie sind eine fundamentale Sprache, die direkt mit den ältesten Teilen unseres Gehirns kommuniziert. Aber was genau macht diese Mikro-Interaktionen so wirkungsvoll? Warum fühlt sich ein guter Treffer so viel besser an als ein schlechter, selbst wenn der Schaden derselbe ist? Die Antwort liegt in einer detailverliebten Mischung aus Psychologie, Sounddesign und kognitiver Ergonomie.
In diesem Artikel tauchen wir tief in die Werkstatt der Game-Feel-Designer ein. Wir werden analysieren, wie einfache Tastendrücke in süchtig machende Gameplay-Loops verwandelt werden, warum ein „Bestätigen“-Klick anders klingen muss als „Abbrechen“ und wie Entwickler Sound und Bild zu einer Einheit verschmelzen, die uns das Gefühl von Wucht und Präzision gibt. Vergessen Sie die großen Belohnungen für einen Moment und konzentrieren Sie sich mit uns auf die kleinen Dinge, die den großen Unterschied machen.
Dieser Beitrag entschlüsselt die psychologischen und technischen Mechanismen, die hinter dem befriedigenden Gefühl von Interaktionen in Videospielen stecken. Der folgende Überblick führt Sie durch die zentralen Aspekte des audiovisuellen Feedbacks, von der Gehirnchemie bis zur konkreten Design-Umsetzung.
Inhaltsverzeichnis: Die Anatomie des befriedigenden Feedbacks
- Warum triggert das „Level-Up“-Geräusch unser Belohnungszentrum im Gehirn?
- Warum muss ein „Bestätigen“-Klick anders klingen als ein „Abbrechen“-Klick?
- Warum erkennst du den Sound eines Mario-Sprungs sofort wieder?
- Warum sind manche SFX viel zu laut im Vergleich zur Sprache?
- Wie macht Sound eine Animation wuchtiger (Screen Shake für die Ohren)?
- Visuell oder Auditiv: Was macht einen Kopfschuss in Shootern so befriedigend?
- Wie muss ein Hit-Marker aussehen, damit du sofort weißt, dass du getroffen hast?
- Wie verwandeln Entwickler einfache Tastendrücke in befriedigende Gameplay-Loops?
Warum triggert das „Level-Up“-Geräusch unser Belohnungszentrum im Gehirn?
Der klassische „Level-Up“-Sound ist weit mehr als nur ein akustisches Signal. Er ist ein destillierter Moment des Fortschritts, der direkt an unser Belohnungssystem andockt. Neurologisch gesehen konditioniert uns das Spiel darauf, diesen spezifischen Klang mit Leistung und Verbesserung zu assoziieren. Jedes Mal, wenn wir diesen Ton hören, wird eine kleine Menge Dopamin freigesetzt, ein Neurotransmitter, der für Motivation und Vergnügen zuständig ist. Es ist eine erlernte Reaktion, ähnlich dem Pawlowschen Hund, nur dass hier nicht eine Glocke den Speichelfluss, sondern ein Soundeffekt ein Gefühl der Zufriedenheit auslöst.
Diese Mechanismen haben messbare Auswirkungen. So zeigten Spieler von Super Mario 64 nach nur zwei Monaten Training messbare Vergrößerungen in Gehirnregionen, die für räumliche Orientierung, Gedächtnisbildung und strategische Planung zuständig sind. Das Level-Up-Geräusch ist die akustische Signatur dieses Wachstums – es bestätigt dem Gehirn: „Was du tust, ist richtig und führt zu einer Verbesserung.“ Dieser positive Verstärker ist einer der stärksten Motivatoren, um weiterzuspielen.
Die kulturelle Prägung spielt dabei eine entscheidende Rolle, wie das Beispiel deutscher Entwicklerstudios zeigt. Im Gothic-Rollenspiel setzten die Entwickler bewusst auf erdige, raue und fast schon archaische Klänge für einen Stufenaufstieg. Dies stand im starken Kontrast zu den hellen, magischen und orchestralen Tönen, die man etwa aus World of Warcraft kennt. Diese Design-Entscheidung schuf eine völlig andere, düsterere und als „realistischer“ empfundene Atmosphäre, die perfekt zur Spielwelt passte und die deutsche Gaming-Kultur nachhaltig prägte. Der Sound transportiert nicht nur Belohnung, sondern auch die Identität des Spiels.
Warum muss ein „Bestätigen“-Klick anders klingen als ein „Abbrechen“-Klick?
Die Unterscheidung zwischen einem „Bestätigen“- und einem „Abbrechen“-Klick ist ein Paradebeispiel für exzellentes User-Interface-Design und kognitive Ergonomie. Unser Gehirn ist darauf trainiert, aufsteigende Tonfolgen mit positiven Ereignissen oder Bestätigung zu assoziieren, während abfallende oder dissonante Töne als negativ oder als Warnung interpretiert werden. Ein Bestätigungssound klingt oft hell, kurz und endet auf einer höheren Note. Ein Abbruch- oder Fehler-Sound ist typischerweise tiefer, etwas länger und fällt in der Tonhöhe ab. Diese akustische Signatur gibt uns sofortiges, unbewusstes Feedback über das Ergebnis unserer Aktion, noch bevor wir den visuellen Hinweis auf dem Bildschirm vollständig verarbeitet haben.
Diese intuitive Unterscheidung ist keine reine Design-Nettigkeit, sondern ein entscheidender Aspekt der Barrierefreiheit. In Deutschland ist dies sogar gesetzlich relevant. Seit 2023 müssen alle öffentlichen digitalen Angebote in Deutschland BITV 2.0 konform sein (Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung). Diese Verordnung schreibt unter anderem vor, dass wichtige Aktionen durch klar unterscheidbare auditive Signale unterstützt werden müssen, um Menschen mit Seheinschränkungen die Navigation zu erleichtern. Was für Gamer eine Frage des „Game-Feels“ ist, ist für andere eine Notwendigkeit.
Die visuelle Darstellung der Schallwellen macht diesen Unterschied deutlich. Eine aufsteigende, harmonische Welle für eine Bestätigung steht im direkten Kontrast zu einer abfallenden, raueren Welle für einen Abbruch.

Diese klare Trennung verhindert Frustration. Stellen Sie sich vor, Sie verkaufen versehentlich ein wertvolles Item, weil der Sound des Bestätigungsfensters unklar war. Gutes Sounddesign an dieser Stelle schafft Vertrauen in die Benutzeroberfläche und sorgt für einen reibungslosen, stressfreien Spielfluss. Es ist die Einhaltung einer unausgesprochenen Vereinbarung zwischen Entwickler und Spieler, die auf Erwartungskonformität basiert.
Warum erkennst du den Sound eines Mario-Sprungs sofort wieder?
Der Sprung-Sound von Super Mario, das „Pling“ beim Einsammeln einer Münze oder das Geräusch eines sich öffnenden Pokébals – diese Klänge sind zu Ikonen geworden. Ihre sofortige Wiedererkennbarkeit ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines psychologischen Phänomens, das als Mere-Exposure-Effekt (Effekt der bloßen Darbietung) bekannt ist. Dieser besagt, dass wir dazu neigen, eine positive Bewertung für Dinge zu entwickeln, denen wir wiederholt ausgesetzt sind. Im Gaming-Kontext bedeutet dies, dass ein Sound, der Tausende Male eine zentrale Aktion begleitet, tief in unserem Langzeitgedächtnis verankert wird.
Neurowissenschaftliche Erkenntnisse stützen dies: Nach durchschnittlich 7-10 Wiederholungen beginnt ein neuer Reiz – wie ein Gaming-Sound – sich im Gedächtnis zu festigen. Bei einer Kernmechanik wie dem Springen in einem Jump ’n‘ Run wird diese Schwelle innerhalb der ersten Spielminuten überschritten. Der Sound wird untrennbar mit der Aktion und dem damit verbundenen Gefühl der Kontrolle und Bewegung verknüpft. Er wird zur akustischen DNA des Spiels.
Die Qualität dieser ikonischen Sounds liegt in ihrer Einfachheit, Einzigartigkeit und perfekten Synchronisation mit der Aktion. Sie sind prägnant genug, um nicht zu nerven, aber distinktiv genug, um aus der Geräuschkulisse herauszustechen. Die Redaktion der Sendung GameTwo fasste dieses Phänomen treffend zusammen, als sie die Langlebigkeit bestimmter Spieldesigns analysierte:
Super Mario seit Dekaden mit immer dem gleichen Pling die Münzen einsammelt – sie haben abseits von (teils) super Grafik auch einen überzeugenden Sound.
– GameTwo Redaktion, GameTwo Folge 148 – Sound Design für Videospiele
Diese ikonischen Klänge werden zu einem Teil unserer persönlichen Spielegeschichte. Sie wecken Nostalgie und ein Gefühl der Vertrautheit, selbst Jahre später. Sie sind der Beweis, dass ein gut gestalteter Soundeffekt genauso erinnerungswürdig sein kann wie eine Hauptfigur oder eine packende Geschichte.
Warum sind manche SFX viel zu laut im Vergleich zur Sprache?
Fast jeder Gamer kennt das Problem: In einer Zwischensequenz sind die Dialoge kaum zu verstehen, doch sobald die Action beginnt, dröhnen Explosionen und Schüsse mit ohrenbetäubender Lautstärke aus den Kopfhörern. Dieses Problem entsteht durch einen zu hohen Dynamikumfang – dem Unterschied zwischen den leisesten und den lautesten Geräuschen im Spiel. Während ein hoher Dynamikumfang im Kino für dramatische Effekte sorgt, ist er in einer typischen Spielumgebung oft unpraktisch und frustrierend.
Professionelle Audio-Produktionen, insbesondere im europäischen Rundfunk, richten sich nach klaren Lautheitsstandards, um genau das zu verhindern. Der Standard von -23 LUFS (Loudness Units Full Scale) nach EBU R 128 ist hierfür der Maßstab. Er sorgt für eine ausgewogene, normalisierte Lautheit über verschiedene Programme hinweg. Viele Spiele, insbesondere solche mit Fokus auf filmische Inszenierung, ignorieren diese Standards jedoch zugunsten einer maximalen klanglichen Wucht. Das Resultat ist ein ständiges Nachregeln der Lautstärke durch den Spieler.
Glücklicherweise bieten moderne Konsolen und PCs Werkzeuge, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. Eine sogenannte Dynamikkompression reduziert den Abstand zwischen leisen und lauten Tönen, macht also Dialoge lauter und Explosionen leiser. Dies führt zu einem angenehmeren und verständlicheren Klangerlebnis, ohne dass man ständig zur Fernbedienung greifen muss. Für Spieler in Deutschland gibt es einige praktische Kniffe, um die Audio-Balance zu optimieren.
Ihr Plan für ausgewogenen Gaming-Sound: Die wichtigsten Einstellungen
- Nachtmodus aktivieren: Suchen Sie in den Audioeinstellungen Ihrer Konsole (PS5, Xbox) nach einer Option wie „Nachtmodus“ oder „Dynamikkompression“. Diese gleicht Lautstärkespitzen automatisch an.
- Windows-Lautstärkemixer nutzen: Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das Lautsprechersymbol in der Taskleiste und öffnen Sie den Lautstärkemixer. Hier können Sie die Lautstärke für das Spiel separat von anderen Anwendungen (wie Discord) regeln.
- Soundkarten-Software einstellen: Falls Sie eine dedizierte Soundkarte am PC verwenden, suchen Sie in deren Software nach einer Einstellung für Dynamikkompression oder „Smart Volume“ und stellen Sie diese auf einen mittleren Wert.
- Headset-Funktionen verwenden: Viele Gaming-Headsets bieten separate Regler für Spiel- und Chat-Audio. Nutzen Sie diese, um die Sprachlautstärke gezielt anzuheben.
Eine gute Audioabmischung ist letztlich ein Kompromiss zwischen künstlerischer Vision und technischer Benutzerfreundlichkeit. Während Entwickler eine cineastische Erfahrung anstreben, wünschen sich Spieler oft einfach nur klare Verständlichkeit.
Wie macht Sound eine Animation wuchtiger (Screen Shake für die Ohren)?
Ein wuchtiger Schwerthieb oder eine gewaltige Explosion im Spiel bezieht seine Wirkung nicht allein aus der visuellen Darstellung. Ein entscheidender Teil des Gefühls von Kraft und Masse wird durch den Sound erzeugt. Gutes Sounddesign fungiert hier als eine Art „Screen Shake für die Ohren“. Tiefe, basslastige Frequenzen erzeugen eine physisch spürbare Resonanz, die das visuelle Ereignis verstärkt und ihm Gewicht verleiht. Dieses Zusammenspiel von Sehen und Hören wird als crossmodale Wahrnehmung bezeichnet: Ein Sinneseindruck beeinflusst die Wahrnehmung eines anderen.
Ein exzellentes Beispiel für diese Technik aus Deutschland liefert das Frankfurter Studio Deck13 mit ihrem Spiel „The Surge“. Um die mechanischen Gegner wuchtig und gefährlich klingen zu lassen, griff das Sound-Team auf einen cleveren Trick zurück. Sie kombinierten Aufnahmen von echten Industriegeräuschen aus deutschen Fabriken – das Schlagen von Metall auf Metall, das Zischen von Hydraulik – mit synthetisch erzeugten, tiefen Bass-Layern (sogenannten „Sub-Bässen“). Das Ergebnis ist ein Klangbild, das nicht nur metallisch klingt, sondern sich auch schwer und kraftvoll anfühlt.
Die tiefen Frequenzen sind dabei der Schlüssel. Sie werden vom menschlichen Körper nicht nur gehört, sondern auch als Vibration wahrgenommen, was ein neuro-haptisches Feedback erzeugt.

Diese Bass-Wellen sind die auditive Entsprechung eines visuellen Effekts wie dem Kamera-Wackeln. Wenn eine Explosion auf dem Bildschirm zu sehen ist, die Kamera wackelt und gleichzeitig ein tieffrequentes Grollen den Raum füllt, verschmelzen diese drei Reize im Gehirn zu einem einzigen, kohärenten Eindruck von immenser Kraft. Ohne den passenden Sound würde selbst die spektakulärste visuelle Animation flach und kraftlos wirken. Der Sound gibt der Physik einer Aktion ihre auditive Glaubwürdigkeit.
Visuell oder Auditiv: Was macht einen Kopfschuss in Shootern so befriedigend?
Der perfekt platzierte Kopfschuss in einem Shooter ist der Inbegriff einer befriedigenden Mikro-Interaktion. Doch was macht ihn so wirkungsvoll? Es ist die perfekte Synchronisation von visuellen und auditiven Signalen, eine meisterhafte multisensorische Choreografie. Visuell bestätigt ein oft übertriebener Partikeleffekt oder eine spezifische Animation den kritischen Treffer. Auditiv wird dieser Moment durch einen distinktiven, meist hohen und metallischen „Pling“- oder „Klonk“-Sound untermalt. Dieses Feedback ist absolut unmissverständlich: Es signalisiert Präzision, Effizienz und die sofortige Eliminierung einer Bedrohung.
Dieses Gefühl der Befriedigung wurzelt tief in unserer evolutionären Psychologie. Wie die Neurowissenschaftlerin Dr. Simone Kühn vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung erklärt, wird dem Gehirn bei solchen Aktionen ein primitives Erfolgserlebnis simuliert.
Bei Computerspielen wird dem Gehirn ein ‚erfolgreiches Verhalten von Überlebenswert‘ vorgespielt – und davon wollen wir natürlich immer mehr haben.
– Dr. Simone Kühn, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
Der Kopfschuss-Sound ist die akustische Belohnung für dieses „Überlebensverhalten“. Interessanterweise unterliegt die Gestaltung dieses Feedbacks in Deutschland strengen Regulierungen. Aufgrund der USK-Prüfungen (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) werden Gewaltdarstellungen oft angepasst. Analysen zeigen, dass rund 87% der in Deutschland veröffentlichten Shooter-Versionen angepasste Audio-Cues im Vergleich zu den internationalen Fassungen aufweisen. Oft werden die Treffergeräusche weniger „splattrig“ und organisch gestaltet, hin zu abstrakteren, metallischen Klängen, um die Altersfreigabe nicht zu gefährden. Die Befriedigung bleibt, doch der Kontext wird entschärft.
Letztendlich ist es die Kombination, die zählt. Weder der visuelle Effekt noch der Sound allein könnten diese Wirkung entfalten. Es ist die unmittelbare, latenzfreie Koinzidenz beider Reize, die im Gehirn eine starke, positive Assoziation schafft. Das eine bestätigt das andere und erzeugt so ein Gefühl von meisterhafter Kontrolle und Effektivität.
Wie muss ein Hit-Marker aussehen, damit du sofort weißt, dass du getroffen hast?
Der Hit-Marker – jenes kleine „X“, das in der Mitte des Bildschirms aufleuchtet, wenn ein Schuss sein Ziel findet – ist eine der brillantesten UI-Erfindungen im Shooter-Genre. Seine Effektivität beruht auf einem Prinzip der Wahrnehmungspsychologie: der präattentiven Verarbeitung. Unser Gehirn ist in der Lage, bestimmte einfache visuelle Merkmale wie Form, Farbe oder Bewegung zu erkennen, bevor wir unsere Aufmerksamkeit bewusst darauf richten. Ein plötzlich erscheinendes „X“ im Fokuspunkt unseres Blicks wird daher augenblicklich und ohne kognitiven Aufwand verarbeitet.
Das Design eines effektiven Hit-Markers muss drei Kriterien erfüllen: Er muss zentriert sein (dort, wo der Spieler hinschaut), kontrastreich (um sich vom Hintergrund abzuheben) und ephemer (er darf nur kurz aufleuchten, um die Sicht nicht zu blockieren). Das deutsche Entwicklerstudio Crytek gilt als einer der Pioniere, die mit dem Spiel „Crysis“ einen neuen Standard für dieses Feedback-System etablierten. Sie kombinierten das visuelle „X“ mit einem kurzen, distinktiven Audio-Cue und schufen so eine untrennbare audiovisuellen Bestätigung, die heute in fast jedem Shooter zu finden ist.
In modernen Spielen sind die Anpassungsmöglichkeiten für Hit-Marker zudem ein wichtiger Aspekt der Barrierefreiheit, insbesondere für Spieler mit Farbsehschwächen. Die Möglichkeit, Farbe und Größe anzupassen, stellt sicher, dass dieses entscheidende Feedback für alle Spieler gleichermaßen gut sichtbar ist.
| Spiel | Farbanpassung | Größenanpassung | Audio-Alternative |
|---|---|---|---|
| Overwatch 2 | 8 Farbprofile | Ja (50-200%) | Verschiedene Töne |
| Call of Duty MW3 | Deuteranopie/Protanopie | Ja (75-150%) | Taktiles Feedback |
| Apex Legends | 3 Farbblindmodi | Ja (klein/mittel/groß) | Richtungsaudio |
Der Hit-Marker ist somit die perfekte Verkörperung von minimalem Aufwand und maximaler Wirkung. Er liefert eine der wichtigsten Informationen im Spiel – „Dein Schuss hat getroffen“ – auf die schnellste und kognitiv effizienteste Weise. Er ist das Ergebnis eines tiefen Verständnisses dafür, wie das menschliche Gehirn visuelle Informationen verarbeitet.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Befriedigung in Spielen entsteht durch die perfekte Synchronisation von mikroskopisch kleinen audiovisuellen Rückmeldungen (Juicy Design).
- Effektives Sounddesign nutzt psychologische Prinzipien wie Erwartungskonformität (Bestätigen vs. Abbrechen) und den Mere-Exposure-Effekt (ikonische Klänge).
- Deutsche Entwickler und Regulierungen (USK, BITV 2.0) prägen aktiv mit, wie sich Spiele in Deutschland anfühlen und anhören.
Wie verwandeln Entwickler einfache Tastendrücke in befriedigende Gameplay-Loops?
Die ultimative Meisterschaft im Game-Feel-Design liegt darin, all die besprochenen Mikro-Feedbacks – Sounds, visuelle Effekte, haptische Reaktionen – zu einer kohärenten und motivierenden Gameplay-Schleife zu verweben. Ein einfacher Tastendruck wird so zu einer bedeutungsvollen Aktion. Nehmen wir ein Aufbauspiel wie die deutsche Serien-Ikone „Anno“ oder „Die Siedler“: Der Klick zum Platzieren eines Gebäudes wird von einem befriedigenden „Wumm“ begleitet, Staub wirbelt auf, und die Ressourcenanzeige schrumpft sichtbar. Diese Kette von Rückmeldungen bestätigt die Aktion auf mehreren sensorischen Ebenen und gibt dem Spieler ein Gefühl von Wirkung und Kontrolle.
Wenn diese Feedback-Loops perfekt ausbalanciert sind – die Herausforderung angemessen und das Feedback unmittelbar ist – können sie den Spieler in einen sogenannten Flow-Zustand versetzen. Dies ist ein Zustand höchster Konzentration und Vertiefung in eine Tätigkeit, bei dem das Zeitgefühl verloren geht. Studien zur Flow-Theorie von Mihaly Csikszentmihalyi belegen, dass bei Aufbaustrategien wie den genannten durchschnittlich 43% ihrer Spielzeit im Flow-Zustand verbringen.
Doch die Macht dieser Loops hat auch eine Kehrseite. Wenn sie nicht dazu dienen, eine Fähigkeit zu meistern, sondern den Spieler gezielt zu manipulieren, spricht man von „Dark Patterns“. Dazu gehören variable Belohnungssysteme, die dem Glücksspiel ähneln (wie in Lootboxen), oder künstliche Zeitbeschränkungen, die „FOMO“ (Fear of Missing Out) erzeugen. Die Grenze zwischen motivierendem Design und ausbeuterischer Mechanik ist fließend. Der entscheidende Unterschied liegt in der Intention: Dient der Loop dem Spielerlebnis oder der Monetarisierung? Wie Dr. Michael Lippert vom Leibniz-Institut für Neurobiologie anmerkt, ist das Glücksgefühl selbst komplex und nicht allein durch Dopamin erklärbar, was die Reduktion auf simple Belohnungsmechaniken gefährlich macht.
Eine gute Gameplay-Schleife respektiert den Spieler. Sie belohnt Anstrengung und Geschick mit klarem, befriedigendem Feedback und schafft so intrinsische Motivation. Sie ist eine Einladung, besser zu werden, und nicht ein Zwang, mehr auszugeben. In dieser Balance zeigt sich die wahre Kunst des Gamedesigns.
Beginnen Sie noch heute damit, Spiele bewusster wahrzunehmen. Achten Sie auf die kleinen Details, die eine Aktion befriedigend machen, und lernen Sie, die meisterhafte Choreografie zu erkennen, die hinter jedem guten „Klick“ steckt. Dies wird nicht nur Ihr Spielerlebnis bereichern, sondern auch Ihr Verständnis für exzellentes digitales Design schärfen.